Vom Kennenlernen – Jonas Failing

Vom Lernen und Kennenlernen

Liebe Leserin, lieber Leser,

in einem Gemeindebrief geht es um Worte. Natürlich geht es auch um Bilder, die abgedruckt werden. Vor allem geht es aber um Worte, wie in jedem Brief, so auch in einem Gemeindebrief.

Und manchmal ist es ganz erstaunlich, was dabei herauskommt, wenn man sich ein Wort „auf der Zunge zergehen“ lässt – es also dreht und wendet und es neugierig  betrachtet, so als würde man es zum ersten Mal sehen (oder hören). Ich versuche es einmal mit dem Wort „kennenlernen“: ‚kennen‘ steckt darin und ‚lernen‘. Lernen, zu kennen: eben kennenlernen.

Wenn wir einen uns neuen Menschen treffen, haben wir vielleicht die Gelegenheit, ihn kennenzulernen. Wir erkennen ihn wieder, wenn wir ihn öfter treffen. An seinem Aussehen, einem besonderen Gesichtszug, an der Stimme oder an bestimmten Gesten. Je mehr wir jemanden kennenlernen, umso leichter fällt es uns, ihn oder sie wiederzuerkennen.

Auch eine neue Situation lernt man kennen. Wir alle sind mitten dabei. In einer neuen Situation lernen wir und lernen wir kennen, wie ein verantwortungsvolles Verhalten aussieht: Wir tragen Mund-Nasen-Masken, wir halten Abstand voneinander. Kirchengemeinden lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen.

Für mich ist es auch eine Zeit des Kennenlernens: Ich schreibe heute hier das erste Mal im Gemeindebrief und hoffe, Sie bald persönlich kennenzulernen!

Ab dem 24. August 2020 trete ich meinen Probedienst in der Kirchengemeinde Bronnzell-Eichenzell an.

Mein Vikariat und das zweite theologische Examen habe ich in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) absolviert. Das „Lernen“ im Kennenlernen sagt mir aber auch: Ich lerne immer dazu, jemanden zu kennen oder eine Situation einzuschätzen.

Lernen ist selten etwas, das irgendwann abgeschlossen ist: Man lernt immer dazu. Beim Lernen und Kennenlernen bewegen wir uns tastend vor, können uns auch einmal irren. Bei allem Neuen, das wir im Moment täglich kennenlernen und dazulernen, ist es beruhigend, auf etwas vertrauen zu können, das sicher ist: dass wir begleitet werden von Gott.

Von Gott – der uns schon kennt, der weiß, wie es um uns steht und der auf allen unseren (Lern-)Wegen um uns ist, so heißt es im Psalm:

HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

(Psalm 139, 1-5)

Mit freundlichen Grüßen und bis bald
Ihr Jonas Failing